„Süßer Schlaf! Du kommst wie reines Glück ungebeten, unerfleht am willigsten.“
Johann Wolfgang von Goethe, „Römische Elegien“ (1795)
Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Während klassische Schlafmittel oft mit großen Abhängigkeitsrisiken und schweren Nebenwirkungen einhergehen, suchen viele Betroffene nach natürlichen Alternativen. Das natürliche Cannabinoid Cannabidiol (CBD), welches auch aus Nutzhanf gewonnen werden kann, wird dabei zunehmend als potenzielle Option diskutiert. Doch was zeigen neuere wissenschaftliche Untersuchungen tatsächlich über CBD bei Schlafstörungen?
Wie wirkt CBD im Gehirn bei Schlafstörungen?
Um die möglichen Effekte von CBD auf den Schlaf zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Wirkmechanismen . CBD interagiert mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System , das unter anderem an der Regulation von Schlaf-Wach-Rhythmen beteiligt ist. Anders als das psychotrope (vorübergehend bewusstseinsverändernde) Delta-9-THC bindet CBD jedoch nur schwach an die Endocannabinoid-CB1-Rezeptoren, moduliert aber viele weitere unserere körpereigenen Rezeptorsysteme . Hier ist eine kurze Auflistung bekannter mögliche Wirkmechanismen in Bezug auf Schlafstörungen:
1. Modulation des Endocannabinoid-Systems: CBD erhöht die Konzentration unseres körpereigenen Cannabinoids Anandamid (AEA), indem es das abbauende Enzym FAAH (Fettsäureamid-Hydrolase) hemmt. Forschungsarbeiten weisen darauf hin, dass erhöhte Anandamid-Spiegel den Tiefschlaf fördern könnten. Eine systematische Übersichtsarbeit von Peng et al. (2022) (2) in Basic & Clinical Pharmacology & Toxicology beschreibt, wie diese FAAH-Hemmung zu verbesserten Schlafparametern führen könnte, insbesondere beim Durchschlafen.
2. Wirkung auf den Adenosin-Signalweg: Ein besonders relevanter Mechanismus für die Schlafförderung ist die Wirkung von CBD auf das Adenosin-System. Adenosin ist ein körpereigener Schlafdruck-Botenstoff, der sich während des Wachseins zunehmend ansammelt und Müdigkeit signalisiert. Durch die Hemmung der Adenosin-Wiederaufnahme könnte CBD diesen natürlichen Schlafmechanismus verstärken (4).
3. GABA-Modulation: CBD interagiert auch mit unseren körpereigenen GABA-A-Rezeptoren, den wichtigsten hemmenden Neurotransmitter-Rezeptoren im Gehirn. Bei höheren Dosen kann CBD die GABA-Aktivität verstärken, was beruhigend und schlaffördernd wirken könnte. Da GABA die neuronale Erregbarkeit dämpft, könnte dieser Mechanismus besonders beim Durchschlafen relevant sein (5).
4. Angstlösende Effekte über Serotonin-Rezeptoren: CBD interagiert mit Serotonin-Rezeptoren, die eine Rolle bei Angst- und Stimmungsregulation spielen. Da Schlafprobleme häufig mit Angst und Angststörungen einhergehen, könnte ein Teil der schlaffördernden Wirkung über anxiolytische (angstlösende) Effekte vermittelt werden. Eine systematische Übersichtsarbeit von Blessing et al. (2015) (1) in der Zeitschrift Neurotherapeutics beschreibt diese angstlösenden Eigenschaften von CBD detailliert.
Diese multiplen Wirkmechanismen erklären möglicherweise, warum CBD besonders bei stress- und angstbedingten Schlafstörungen hilfreich sein könnte, während die Effekte bei primären Schlafstörungen ohne psychische Komponente weniger ausgeprägt erscheinen.
Was neuere Studien über CBD und Schlafqualität sagen
Zwei Beobachtungen vorneweg:
1. Das natürliche Cannabinoid CBD ist nicht patentierbar (ähnlich wie Melatonin), daher fehlen Pharma-Ressourcen für die sehr kostspieligen randomisierten klinischen Studien (RCTs), die in der Regel als höchste Evidenzstufe gelten. Dies erklärt Lücken in der Evidenz. Präklinische Forschung (z. B. Tiermodelle) liefern Plausibilität, humane Daten sind jedoch begrenzt und stellen keine Garantie für die Wirksamkeit beim Menschen dar. Ähnliches ist bei vielen Nutraceuticals und pflanzlichen Heilmitteln der Fall.
2. Die Studienlage zu CBD als Monosubstanz ist womöglich nicht sehr aussagekräftig in Bezug auf Vollspektrum-CBD-Produkte. Präklinische Hinweise deuten auf synergistische Effekte mit weiteren Cannabinoiden und Terpenen (Entourage-Effekt) hin, humane Daten dazu sind jedoch spärlich.
Wichtiger Hinweis: Die folgenden Informationen basieren auf publizierten Studien und ersetzen keine medizinische Beratung. CBD ist kein zugelassenes Arzneimittel für Schlafstörungen (Swissmedic/BAG). Die Wirksamkeit ist nicht bewiesen; individuelle Ergebnisse können variieren. Konsultieren Sie bei Bedarf einen Arzt.
Die Studienlage zu CBD und Schlaf hat sich in den letzten Jahren erweitert, bleibt aber insgesamt begrenzt. Zu den relevantesten Arbeiten zählen eine Meta-Analyse von randomisierten klinischen Studien Kuhathasan et al. (2019), die auf mögliche milde Verbesserungen der Schlafqualität bei angstassoziierten Störungen hindeutet, (6) sowie die randomisierte klinische Studie von Ried et al. (2023) im Journal of Sleep Research (24 Insomnie-Patienten, THC:CBD-Kombi), mit berichteten Verbesserungen der subjektiven Schlafqualität (+80 %, kleine Stichprobe) (7).
Ergänzend fasst die Scoping Review von Amaral et al. (2023) präklinische und klinische Daten zusammen und diskutiert potenzielle sedierende Effekte von CBD bei höheren Dosen (8). Eine häufig zitierte retrospektive Studie von Shannon et al. (2019) untersuchte 72 Erwachsene mit Angststörungen und Schlafproblemen (9). Nach einmonatiger CBD-Einnahme (25–175 mg täglich) berichteten über 66 Prozent subjektiv über veränderte Schlafwerte, wobei die Effekte schwankten.
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie von Skelley et al. (2020) untersuchte die Auswirkungen einer vierwöchigen CBD-Supplementierung auf verschiedene Gesundheitsparameter (10). Während sich einige Schlafmarker subjektiv verbesserten, waren die Effekte statistisch nicht immer signifikant gegenüber Placebo.
Eine systematische Übersichtsarbeit von Suraev et al. (2020) analysierte 34 Studien zu Cannabis, Cannabinoiden und Schlaf (11). Die Autoren fassen zusammen, dass die Evidenz für CBD bei Schlafstörungen unzureichend ist und methodisch hochwertigere Studien benötigt werden.
Kann CBD beim Einschlafen helfen – und in welcher Dosierung?
Die Frage nach der optimalen Dosierung von CBD bei Schlafproblemen lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten. Die in Studien verwendeten Dosen variieren erheblich – von 25 mg bis zu 300 mg und mehr täglich.
Interessanterweise deuten einige Untersuchungen auf einen biphasischen Effekt hin: Niedrigere Dosen scheinen eher wachheitsfördernd zu wirken, während höhere Dosen sedierend wirken könnten. Eine ältere Studie von Nicholson et al. (2004) zeigte, dass 15 mg CBD wachheitsfördernd wirkten, während andere Studien mit höheren Dosen schlaffördernde Effekte beobachteten (12).
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz hat CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent als Lebensmittel eingestuft, macht jedoch keine spezifischen Dosierungsempfehlungen für therapeutische Anwendungen. Personen, die CBD bei Schlafstörungen erwägen, sollten mit niedrigen Dosen beginnen und diese langsam steigern, idealerweise in Absprache mit medizinischem Fachpersonal.
Könnte CBD die Schlafdauer oder nur das Ein- und Durchschlafen verbessern?
Die verfügbaren Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse hinsichtlich der spezifischen Schlafparameter, die durch CBD beeinflusst werden. Während einige Untersuchungen Verbesserungen bei der subjektiv wahrgenommenen Schlafqualität zeigen, sind die Effekte auf objektiv messbare Parameter wie die Gesamtschlafdauer weniger eindeutig.
Eine kleine Studie von Carlini und Cunha (1981) beobachtete, dass höhere CBD-Dosen (160 mg) die Gesamtschlafdauer bei Insomnie-Patienten erhöhten (13).
Manche Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass CBD möglicherweise besonders bei stressbedingten Schlafstörungen helfen könnte, indem es die zugrunde liegende Angst oder Anspannung reduziert, weniger jedoch bei primären Schlafstörungen ohne psychische Komponente.
Welche Unterschiede gibt es zwischen CBD, THC und klassischen Schlafmitteln?
Ein wichtiger Aspekt bei der Beurteilung von CBD ist die Abgrenzung zu THC und konventionellen Schlafmedikamenten. THC, der psychoaktive Hauptwirkstoff der Cannabispflanze, zeigt in Studien deutlichere sedierende Effekte als CBD, geht jedoch mit psychoaktiven Effekten bis zu starker vorübergehender Bewusstseinsveränderung und einem höheren Abhängigkeitspotenzial einher.
Klassische Benzodiazepine und Z-Substanzen (wie Zolpidem) sind wirksam bei Schlafstörungen, bringen jedoch große Risiken wie Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und eine Beeinträchtigung der Schlafarchitektur mit sich. Eine Übersichtsarbeit von Babson et al. (2017) in Current Psychiatry Reports diskutiert, dass Cannabinoide eine interessante alternative Behandlungsoption darstellen könnten, betont jedoch die noch unzureichende Datenlage (14).
Ein potenzieller Vorteil von CBD gegenüber klassischen Schlafmitteln könnte das geringere Abhängigkeitspotenzial sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte in einem Bericht von 2018 fest, dass CBD beim Menschen kein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial aufweist (15).
Wie lange wurde in aktuellen Studien CBD bei Schlafstörungen getestet?
Die meisten verfügbaren Studien zu CBD und Schlaf sind Kurzzeituntersuchungen mit Behandlungsdauern von wenigen Wochen bis zu drei Monaten. Langzeitstudien über sechs Monate oder länger fehlen weitgehend.
Die bereits erwähnte Studie von Shannon et al. (2019) beobachtete die Teilnehmenden über drei Monate. Die Autoren stellten fest, dass die anfänglichen Verbesserungen der Schlafwerte im Zeitverlauf schwankten, was Fragen zur Nachhaltigkeit der Effekte aufwirft (9). Für eine fundierte Beurteilung der Langzeitsicherheit und anhaltenden Wirksamkeit von CBD bei chronischen Schlafstörungen sind Langzeitstudien dringend erforderlich.
Welche Nebenwirkungen traten in den neuen CBD-Schlafstudien auf?
Ein wichtiger Aspekt bei der Bewertung jeder Therapieoption ist das Nebenwirkungsprofil. In den meisten Studien zu CBD wurde die Substanz relativ gut vertragen, wobei die häufigsten berichteten Nebenwirkungen mild waren.
In der Studie von Shannon et al. (2019) berichteten einige Teilnehmende über Müdigkeit und Durchfall, allerdings in geringem Ausmaß. Eine systematische Review von Chesney et al. (2020) in Cannabis and Cannabinoid Research analysierte Nebenwirkungen aus 25 Studien und fand, dass CBD insgesamt gut verträglich war, wobei die häufigsten Nebenwirkungen Müdigkeit, Durchfall und Appetitveränderungen umfassten (16).
Wichtig zu beachten ist allerdings, dass CBD mit verschiedenen Medikamenten interagieren kann, da es über das Cytochrom-P450-System in unserer Leber metabolisiert wird, welches auch andere Medikamente abbaut. Personen, die andere Medikamente einnehmen, sollten vor der CBD-Einnahme unbedingt ärztlichen Rat einholen.
Gibt es Studien zu CBD bei Insomnie, Albträumen oder PTSD-bedingten Schlafproblemen?
Ein besonders interessanter Forschungsbereich ist die Nutzung von CBD bei spezifischen Schlafstörungen im Kontext psychischer Erkrankungen. Mehrere Studien haben CBD bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) untersucht, die häufig mit Schlafproblemen und Albträumen einhergeht.
Eine Fallstudienserie von Elms et al. (2019) (17) im Journal of Alternative and Complementary Medicine berichtete über Verbesserungen bei PTSD-Symptomen einschließlich der Schlafqualität bei Erwachsenen, die CBD einnahmen. Die Stichprobe war jedoch klein und es fehlte eine Kontrollgruppe.
Shannon und Opila-Lehman (2016) (18) publizierten einen Fallbericht im Permanente Journal über ein Kind mit PTSD, bei dem CBD die Schlafqualität verbesserte und Angstsymptome reduzierte. Solche Einzelfallberichte sind zwar interessant, können jedoch nicht verallgemeinert werden.
Für die spezifische Diagnose primäre Insomnie ohne komorbide psychische Störungen fehlen qualitativ hochwertige Studien weitgehend. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat bisher keine CBD-Präparate für die Indikation Schlafstörungen zugelassen.
Wie schnell setzt die Wirkung von CBD auf den Schlaf laut Studien ein?
Die Pharmakokinetik von CBD variiert je nach Darreichungsform erheblich. Bei oraler Einnahme (Öle, Kapseln) beträgt die Zeit bis zum Erreichen maximaler Plasmakonzentrationen typischerweise ein bis zwei Stunden. Die Bioverfügbarkeit liegt bei oraler Gabe aufgrund des First-Pass-Metabolismus, der chemischen Umwandlung des Wirkstoffes in der Leber, jedoch nur bei etwa 6 bis 19 Prozent.
Hinsichtlich des Wirkeintritts auf Schlafparameter liegen wenige präzise Daten vor. In klinischen Studien wurde CBD meist über mehrere Tage oder Wochen eingenommen, bevor Effekte evaluiert wurden. Einige Anwenderberichte deuten auf relativ schnelle Effekte innerhalb von Tagen hin, doch fehlen systematische Untersuchungen zum zeitlichen Verlauf.
Bei sublingualer Anwendung von CBD-Ölen und natürlich bei Inhalation kann der Wirkungseintritt theoretisch schneller erfolgen als bei Kapseln, da ein Teil des Wirkstoffs direkt über die Mundschleimhaut bzw. über die Lunge in den Blutkreislauf aufgenommen wird.
Was sagen Schweizer Fachstellen und Behörden zu CBD bei Schlafstörungen?
In der Schweiz werden CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent als Lebensmittel eingestuft und nicht als Arzneimittel. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat diesbezüglich klargestellt, dass für solche Produkte keine therapeutischen Heilversprechen gemacht werden dürfen.
Swissmedic, die schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel, hat bisher nur wenige CBD-haltige Arzneimittel zugelassen. Für Schlafstörungen existiert keine offizielle Zulassung.
Fachgesellschaften wie die Schweizerische Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie (SGSSC) haben sich bisher nicht offiziell zur Anwendung von CBD bei Schlafstörungen positioniert. In den aktuellen Leitlinien zur Behandlung von Insomnie werden primär verhaltenstherapeutische Ansätze und gegebenenfalls zeitlich begrenzt Schlafmedikamente empfohlen.
Kann CBD klassische Schlafmittel ersetzen oder nur ergänzen?
Aufgrund der aktuellen Studienlage kann CBD nicht als Ersatz für etablierte Schlaftherapien empfohlen werden. Die Evidenz ist noch zu begrenzt und die Effektgrößen in vielen Studien sind moderat.
Für Menschen mit leichten Schlafproblemen oder stressbedingten Einschlafstörungen könnte CBD möglicherweise eine ergänzende Option darstellen, insbesondere wenn konventionelle Behandlungen nicht vertragen werden oder nicht gewünscht sind. Dies sollte jedoch immer in Absprache mit medizinischem Fachpersonal geschehen.
Bei chronischer Insomnie gilt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I) als Goldstandard und sollte die erste Behandlungslinie darstellen. Eine Meta-Analyse von Trauer et al. (2015) (19) in den Annals of Internal Medicine zeigte die hohe Wirksamkeit dieser nicht-pharmakologischen Therapieform.
Welche CBD-Form (Öl, Kapseln etc.) ist laut aktueller Datenlage am sinnvollsten für den Schlaf?
Die meisten klinischen Studien zu CBD und Schlaf verwendeten orale Darreichungsformen, entweder als Öl oder Kapsel. Direkte Vergleichsstudien verschiedener Applikationsformen fehlen weitgehend.
CBD-Öle zur sublingualen Anwendung bieten theoretisch den Vorteil einer flexiblen Dosierung und möglicherweise schnelleren Absorption. Kapseln hingegen ermöglichen eine präzisere Dosierung und sind geschmacksneutral.
Für die Inhalation von CBD (als Verdampfer/Vaporisator) liegen kaum Daten zur Anwendung bei Schlafstörungen vor. Diese Applikationsform führt zu höherer Bioverfügbarkeit und schnellerem Wirkungseintritt.
Woran erkennt man hochwertige CBD-Produkte für Menschen mit Schlafstörungen?
Die Qualität von CBD-Produkten variiert erheblich auf dem Markt. Für Personen, die CBD bei Schlafproblemen erwägen, sind folgende Qualitätsmerkmale wichtig:
Laboranalysenzertifikate sollten den genauen CBD-Gehalt sowie die Abwesenheit von Kontaminanten wie Schwermetallen, Pestiziden und Lösungsmittelrückständen bestätigen. Seriöse Hersteller stellen diese Analysezertifikate öffentlich zur Verfügung.
Der THC-Gehalt sollte in der Schweiz unter einem Prozent liegen und klar deklariert sein. Produkte sollten aus kontrolliertem Anbau stammen und idealerweise nach GMP-Standards (Good Manufacturing Practice) hergestellt werden.
Vollspektrum-CBD-Öle enthalten neben CBD auch andere Cannabinide und Terpene, die möglicherweise synergistische Effekte haben könnten (sogenannter Entourage-Effekt). CBD-Isolate hingegen enthalten ausschließlich reines CBD. Welche Variante vorzuziehen ist, lässt sich wissenschaftlich noch nicht abschließend beantworten.
Fazit: Wie steht es um den Hype um CBD bei Schlafstörungen?
Die wissenschaftliche Datenlage zu CBD und Schlafstörungen hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert, bleibt jedoch insgesamt noch unzureichend für definitive Schlussfolgerungen. Während einige Studien auf potenzielle Vorteile hindeuten, insbesondere bei stress- und angstbedingten Schlafproblemen, fehlen große, methodisch hochwertige, placebokontrollierte Langzeitstudien.
Da CBD nicht patentierbar ist, werden wir aber wohl vorerst eher einen weiteren Zuwachs in der oft unterschätzten „Real World Evidenz“ sehen: RWE sind Erkenntnisse aus Daten, die im echten Leben entstehen – z. B. aus Patientenakten, Apps, Versicherungsdaten oder Registern. Im Gegensatz zu strengen klinischen Studien festen Gruppen, Placebos und Kontrollen erfassen sie, wie ein Mittel wie CBD bei vielen Menschen mit unterschiedlichen Lebensumständen, Medikamenten und Beschwerden wirkt.
Die bisherige Forschung deutet darauf hin, dass CBD bei manchen Menschen mit leichten bis moderaten Schlafproblemen hilfreich sein könnte, insbesondere wenn diese mit Angst oder Stress zusammenhängen. Die Effekte scheinen jedoch individuell sehr unterschiedlich zu sein und sind nicht mit der Wirksamkeit etablierter Schlaftherapien gleichzusetzen.
Für Personen, die CBD bei Schlafstörungen erwägen, ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben und dies nicht als Ersatz für bewährte Behandlungen zu betrachten. Eine Kombination aus verbesserter Schlafhygiene, gegebenenfalls kognitiver Verhaltenstherapie und bei Bedarf medizinischer Behandlung sollte die Grundlage des Therapieansatzes bilden.
Rechtlicher Disclaimer
Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Inhalte basieren auf dem Stand von Januar 2026; Erkenntnisse können sich ändern. Konsultieren Sie vor der Anwendung von CBD unbedingt eine medizinische Fachperson. Autor und heimatkult.ch übernehmen keine Haftung für die Nutzung dieser Informationen.
Wissenschaftliche Quellen
1. Blessing, E. M., Steenkamp, M. M., Manzanares, J. & Marmar, C. R. (2015). Cannabidiol as a Potential Treatment for Anxiety Disorders. Neurotherapeutics , 12(4), 825–836.
2. Peng, J., Fan, M., An, C., Ni, F., Huang, W. & Gu, J. (2022). A narrative review of molecular mechanism and therapeutic effect of cannabidiol (CBD). Basic & Clinical Pharmacology & Toxicology , 130(4), 439–456.
3. Carrier, E. J., Auchampach, J. A. & Hillard, C. J. (2006). Inhibition of an equilibrative nucleoside transporter by cannabidiol: A mechanism of cannabinoid immunosuppression. Proceedings of the National Academy of Sciences , 103(24), 9304–9309.
4. D’Angelo, M. & Steardo Jr, L. (2024). Cannabinoids and Sleep: Exploring Biological Mechanisms and Therapeutic Potentials. International Journal of Molecular Sciences , 25(7), 3603.
5. Bakas, T., van Nieuwenhuijzen, P. S., Devenish, S. O., McGregor, I. S., Arnold, J. C. & Chebib, M. (2017). The direct actions of cannabidiol and 2-arachidonoyl glycerol at GABAA receptors. Pharmacological Research , 119, 358–370.
6. Kuhathasan, N., Dufort, A., MacKillop, J., Gottschalk, R., Minuzzi, L. & Frey, B. N. (2019). The use of cannabinoids for sleep: A critical review on clinical trials. Experimental and Clinical Psychopharmacology , 27(4), 383–401.
7. Ried, K., Tamanna, T., Matthews, S. & Oliver-Pyatt, R. (2023). Medicinal cannabis improves sleep in adults with insomnia: a randomised double-blind placebo-controlled crossover study. Journal of Sleep Research , 32(3), e13793.
8. Amaral, C., Ferreira, S., Silva, A. & Remião, F. (2023). Cannabis and sleep disorders: not ready for prime time? A scoping review. Journal of Clinical Medicine , 12(9), 3188.
9. Shannon, S., Lewis, N., Lee, H. & Hughes, S. (2019). Cannabidiol in Anxiety and Sleep: A Large Case Series. The Permanente Journal , 23, 18-041.
10. Skelley, J. W., Deas, C. M., Curren, Z. & Ennis, J. (2020). Use of cannabidiol in anxiety and anxiety-related disorders. Journal of the American Pharmacists Association , 60(1), 253–261.
11. Suraev, A. S., Marshall, N. S., Vandrey, R., McCartney, D., Benson, M. J., McGregor, I. S., Grunstein, R. R. & Hoyos, C. M. (2020). Cannabinoid therapies in the management of sleep disorders: A systematic review of preclinical and clinical studies. Sleep Medicine Reviews , 53, 101339.
12. Nicholson, A. N., Turner, C., Stone, B. M. & Robson, P. J. (2004). Effect of Δ-9-tetrahydrocannabinol and cannabidiol on nocturnal sleep and early-morning behavior in young adults. Journal of Clinical Psychopharmacology , 24(3), 305–313.
13. Carlini, E. A. & Cunha, J. M. (1981). Hypnotic and antiepileptic effects of cannabidiol. The Journal of Clinical Pharmacology , 21(S1), 417S–427S.
14. Babson, K. A., Sottile, J. & Morabito, D. (2017). Cannabis, Cannabinoids, and Sleep: a Review of the Literature. Current Psychiatry Reports , 19(4), 23.
15. World Health Organization. (2018). Cannabidiol (CBD) Critical Review Report . Expert Committee on Drug Dependence.
16. Chesney, E., Oliver, D., Green, A., Sovi, S., Wilson, J., Englund, A., Freeman, T. P. & McGuire, P. (2020). Adverse effects of cannabidiol: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Neuropsychopharmacology , 45(11), 1799–1806.
17. Elms, L., Shannon, S., Hughes, S. & Lewis, N. (2019). Cannabidiol in the Treatment of Post-Traumatic Stress Disorder: A Case Series. The Journal of Alternative and Complementary Medicine , 25(4), 392–397.
18. Shannon, S. & Opila-Lehman, J. (2016). Effectiveness of Cannabidiol Oil for Pediatric Anxiety and Insomnia as Part of Posttraumatic Stress Disorder: A Case Report. The Permanente Journal , 20(4), 108–111.
19. Trauer, J. M., Qian, M. Y., Doyle, J. S., Rajaratnam, S. M. & Cunnington, D. (2015). Cognitive Behavioral Therapy for Chronic Insomnia: A Systematic Review and Meta-analysis. Annals of Internal Medicine , 163(3), 191–204.