Snus verschluckt: was passiert, was tun?

Snus verschluckt, was jetzt? Das passiert schneller, als man denkt: beim Reden, beim Sport, im Schlaf oder beim Lachen rutscht der Beutel nach hinten und ist weg. Bei einem Erwachsenen ist ein einzelner verschluckter Pouch in den meisten Fällen unangenehm, aber nicht gefährlich. Anders sieht es aus, wenn ein Kind einen Beutel erwischt oder wenn du mehrere Pouches auf einmal geschluckt hast. Dieser Artikel erklärt sachlich, was im Körper passiert, was du sofort tun kannst und wann du ärztliche Hilfe brauchst.

Was passiert beim Verschlucken?

Der Beutel selbst ist kein Problem. Die Hülle von Snus und Nicotine Pouches besteht aus Zellulosefasern, die der Körper nicht verdaut. Sie wandert wie ein unverdaulicher Fremdkörper durch Magen und Darm und wird nach ein bis drei Tagen ausgeschieden. Verschlucken, Steckenbleiben oder ein Darmverschluss sind bei einem einzelnen Pouch praktisch ausgeschlossen, weil er klein und weich ist.

Entscheidend ist das Nikotin. Unter der Lippe gibt ein Pouch sein Nikotin langsam über die Mundschleimhaut ab. Im Magen läuft das anders: Die Magensäure sorgt dafür, dass Nikotin dort schlechter aufgenommen wird, ein Teil wird erst im Dünndarm resorbiert und anschliessend in der Leber abgebaut, bevor es in den Kreislauf gelangt. Studien zur oralen Nikotinaufnahme zeigen, dass auf diesem Weg deutlich weniger Nikotin wirksam wird als über die Mundschleimhaut (Benowitz et al., 2009). Trotzdem kommt ein Teil an, und zwar auf einmal statt verteilt über 30 bis 60 Minuten.

Typische Reaktionen innerhalb von 15 bis 60 Minuten, je nach Stärke des Beutels und Gewöhnung:

  • Übelkeit, Brennen im Magen, vermehrter Speichelfluss
  • Schwindel, Kopfschmerzen, Zittern
  • Schneller Puls, Schwitzen, Blässe
  • Bei grösseren Mengen: Erbrechen, Durchfall, Kreislaufprobleme

Wer regelmässig Snus nutzt, hat eine gewisse Toleranz und spürt oft nur leichte Übelkeit. Wer Nikotin nicht gewohnt ist, reagiert stärker. Ein Pouch mit 4 mg Nikotin ist dabei etwas anderes als ein Extra-Strong-Beutel mit 20 mg oder mehr.

Sofortmassnahmen

Ruhe bewahren, Wasser trinken, beobachten. Das ist in den meisten Fällen alles, was ein gesunder Erwachsener tun muss.

  1. Mund ausspülen und ein grosses Glas Wasser trinken. Das verdünnt Nikotinreste im Mund und im Magen.
  2. Kein Erbrechen auslösen. Das empfiehlt Tox Info Suisse bei allen Vergiftungen grundsätzlich nicht, weil es den Körper zusätzlich belastet und Nikotin ohnehin nur zum Teil im Magen aufgenommen wird.
  3. Keine weiteren Pouches in den nächsten Stunden, auch keine Zigarette oder Vape. Der Körper hat gerade genug Nikotin.
  4. Etwas essen, wenn der Magen es zulässt. Nahrung verlangsamt die Aufnahme.
  5. Zwei bis drei Stunden beobachten. Nikotin wird mit einer Halbwertszeit von rund zwei Stunden abgebaut. Werden die Symptome in dieser Zeit schwächer, ist das Schlimmste vorbei.

Falls der Beutel im Hals stecken geblieben ist und du schlecht atmen oder schlucken kannst, gilt das als Notfall: Nummer 144 wählen.

Wann zum Arzt?

Bei einem einzelnen Pouch und leichten Beschwerden brauchst du in der Regel keinen Arzt. Melde dich bei Tox Info Suisse unter der Nummer 145 (rund um die Uhr, kostenlos), wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Du hast mehrere Beutel oder einen sehr starken Pouch verschluckt und spürst deutliche Symptome.
  • Starkes oder anhaltendes Erbrechen, Verwirrtheit, Sehstörungen, Herzrasen oder Atemnot.
  • Du hast eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, bist schwanger oder nimmst Medikamente, die den Blutdruck beeinflussen.
  • Die Beschwerden werden nach zwei Stunden nicht besser, sondern stärker.

Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder schwerer Atemnot direkt den Rettungsdienst (144) rufen. Nikotin ist ein Nervengift, und eine schwere Vergiftung ist selten, aber möglich. Die lange genannte tödliche Dosis von 60 mg gilt heute als deutlich zu tief angesetzt; die realistische Grössenordnung liegt bei Erwachsenen bei 500 mg und mehr (Mayer, 2014). Das entspricht dem Nikotin von Dutzenden Pouches, nicht von einem einzelnen Beutel.

Snus und Kinder

Bei Kindern gilt eine andere Rechnung. Ein Kleinkind wiegt zehn bis fünfzehn Kilo, und schon ein einziger Pouch kann eine behandlungsbedürftige Vergiftung auslösen. Nikotindosen von weniger als einem Milligramm pro Kilo Körpergewicht reichen bei Kleinkindern für ausgeprägte Symptome. Dazu kommt, dass Kinder Beutel oft zerkauen und so mehr Nikotin freisetzen, als ein ganzer verschluckter Pouch abgeben würde.

Wenn ein Kind einen Snus oder Pouch in den Mund genommen oder verschluckt hat:

  1. Reste aus dem Mund entfernen, Mund mit Wasser ausspülen.
  2. Sofort Tox Info Suisse anrufen: 145. Alter, Gewicht, Produkt und Nikotinstärke bereithalten.
  3. Kein Erbrechen auslösen, nichts zu trinken geben, bevor die Fachperson es empfiehlt.
  4. Bei Erbrechen, Schläfrigkeit, Blässe oder Atemproblemen 144 wählen.

Vorbeugen ist einfacher als behandeln: Dosen verschlossen und ausserhalb der Reichweite aufbewahren, gebrauchte Pouches nicht offen liegen lassen. Auch ein benutzter Beutel enthält noch einen Grossteil seines Nikotins, oft die Hälfte oder mehr.

So vermeidest du es beim nächsten Mal

Ein Pouch rutscht meistens dann weg, wenn er zu weit hinten sitzt oder zu lange getragen wird. Platziere den Beutel zwischen Oberlippe und Zahnfleisch, nicht im Wangenbereich, und nimm ihn nach 30 bis 60 Minuten heraus. Wer dazu neigt, im Schlaf einen Pouch zu behalten, nimmt den letzten Beutel des Tages rechtzeitig vor dem Zubettgehen raus. Wie Nikotin aus einem Pouch wirkt und warum die Aufnahme über die Mundschleimhaut so anders ist als im Magen, erklärt der Artikel Snus Wirkung: was passiert im Körper?.

Weiterführend: Ist Snus schädlich? ordnet die Studienlage zu Nikotin und Tabak ein. Eine englische Fassung des Themas findest du im Snus Shop. Tabakfreie Alternativen mit kontrollierter Nikotinabgabe gibt es in unserer Kollektion Snus ohne Tabak.

Häufige Fragen

Ist es gefährlich, einen Snus zu verschlucken?

Für einen gesunden Erwachsenen ist ein einzelner verschluckter Pouch in der Regel nicht gefährlich. Mögliche Folgen sind Übelkeit, Schwindel und Magenbrennen für ein bis zwei Stunden. Bei Kindern, mehreren Beuteln oder starken Symptomen Tox Info Suisse (145) anrufen.

Was tun, wenn man Snus verschluckt hat?

Mund ausspülen, ein Glas Wasser trinken, kein Erbrechen auslösen, kein weiteres Nikotin, zwei bis drei Stunden beobachten. Bei Herzrasen, Verwirrtheit, Atemnot oder anhaltendem Erbrechen ärztliche Hilfe holen.

Wird der Beutel verdaut?

Nein. Die Hülle besteht aus Zellulose und wird nach ein bis drei Tagen unverändert ausgeschieden. Nur das Nikotin wird teilweise aufgenommen.

Wie viel Nikotin nimmt der Körper beim Verschlucken auf?

Deutlich weniger als unter der Lippe. Magensäure und der Abbau in der Leber reduzieren die wirksame Menge. Trotzdem kann der Rest ausreichen, um Übelkeit und Schwindel auszulösen, vor allem bei starken Pouches.

Mein Kind hat einen Pouch in den Mund genommen. Was jetzt?

Reste entfernen, Mund ausspülen und sofort Tox Info Suisse unter 145 anrufen. Kein Erbrechen auslösen. Bei Erbrechen, Schläfrigkeit oder Atemproblemen den Notruf 144 wählen.

Quellen

  • Benowitz, N. L., Hukkanen, J., & Jacob, P. (2009). Nicotine chemistry, metabolism, kinetics and biomarkers. Handbook of Experimental Pharmacology, 192, 29–60.
  • Mayer, B. (2014). How much nicotine kills a human? Tracing back the generally accepted lethal dose to dubious self-experiments in the nineteenth century. Archives of Toxicology, 88(1), 5–7.
  • Tox Info Suisse. Vergiftungen bei Kindern: Nikotin. Notfallnummer 145, www.toxinfo.ch.
  • Royal College of Physicians. (2016). Nicotine without smoke: Tobacco harm reduction. London: RCP.

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