Die erste Frage, die die meisten stellen, ist die nach dem Sinn. Wenn man raucht, tut man das wegen des Nikotins. Stimmt, aber eben nicht nur. Wer ernsthaft aufgehört hat oder es versucht hat, merkt irgendwann, dass zwei verschiedene Dinge gleichzeitig ablaufen: der körperliche Entzug, und dann dieser andere Teil, der nach dem Ritual, den Pausen, dem Anzünden. Nikotinfreie Zigaretten können nur den zweiten Teil bedienen, und das ist auch ehrlich gesagt das Einzige, was sie können. Manchmal ist genau das, was jemand braucht.
Was nikotinfreie Zigaretten sind
Kräuterzigaretten gibt es seit Jahrzehnten, in Asien waren sie teilweise noch früher verbreitet als in Europa. Der Grundgedanke war immer derselbe: wenn Tabak das Problem ist, ersetzt man den Tabak. Was ursprünglich vor allem als Entwöhnungshilfe vermarktet wurde, hat sich inzwischen zu einem eigenen Produktsegment entwickelt, das von einfachen Kräutermischungen bis zu CBD-haltigen Hanfzigaretten reicht. Je nach Hersteller stecken drin: Pfefferminze, Eukalyptus, Baldrian, Kamille, getrocknete Hanfblüten oder pflanzliche Zellulosefasern, die sich in der Handhabung ähnlich verhalten wie Tabak. Rauch entsteht dabei trotzdem, weil sich organisches Material beim Verbrennen nicht anders verhält, und Teer in gewisser Konzentration auch, wenn auch ohne die tabakspezifischen Verbrennungsprodukte, die bei klassischen Zigaretten besonders problematisch sind.
Was drin steckt
Das variiert stark. Real Leaf etwa, eine der bekanntesten Marken in diesem Bereich, arbeitet mit Kräutermischungen auf Basis von Pfefferminze, Baldrian, Eukalyptus und Kamille, teils kombiniert mit Hanfblüten. Andere Hersteller setzen auf nikotinfreien Tabakersatz aus Zellulosefasern, der in Verarbeitung und Rauchverhalten dem echten Tabak sehr nahekommt. CBD-haltige Hanfzigaretten wiederum enthalten Cannabidiol als aktiven Wirkstoff, bleiben aber unter dem gesetzlichen THC-Grenzwert. Was alle seriösen Produkte gemeinsam haben sollten: keine synthetischen Zusatzstoffe, keine zugesetzten Aromen und eine lesbare Inhaltsstoffliste. Wer kauft und nicht sicher ist, was drin ist, fragt beim Hersteller nach. Das klingt selbstverständlich, ist es in diesem Segment aber nicht immer.
Unsere Auswahl an nikotinfreien Produkten gibt es in der Collection nikotinfreier Tabak.
Unterschied zu normalen Zigaretten
Nikotin bindet an Rezeptoren im Gehirn, die dann Dopamin ausschütten, was kurzfristig Konzentration und Wohlbefinden erhöht und langfristig körperliche Abhängigkeit erzeugt. Die WHO stuft das Suchtpotenzial als erheblich ein. Nikotinfreie Zigaretten haben diesen Effekt nicht. Was sie haben, ist der sensorische Ablauf des Rauchens: Anfassen, Anzünden, Inhalieren, Ausatmen. Für viele Raucher ist genau das der schwieriger loszuwerdende Teil, nicht das Nikotin allein. Dazu kommt, dass normaler Tabakrauch tabakspezifische Nitrosamine und andere Verbrennungsprodukte enthält, die als krebserregend gelten. Bei nikotinfreien Kräuterzigaretten entfallen diese Substanzen, auch wenn Rauch grundsätzlich reizend auf die Atemwege wirkt und kein Rauchen per se als unbedenklich gilt.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, findet bei der Lungenliga Schweiz professionelle Unterstützung.
Für wen nikotinfreie Zigaretten eine Option sind
Das Format macht am meisten Sinn für Menschen, die das Rauchritual beibehalten wollen, aber weg vom Nikotin kommen möchten. Wer merkt, dass er zur Zigarette greift, weil er eine Pause braucht, sich die Hände beschäftigen will oder einfach einen Moment draussen stehen möchte, findet hier eine Möglichkeit, diese Gewohnheit beizubehalten, ohne Nikotin zuzuführen. Ähnliches gilt für Menschen, die ihre Nikotinaufnahme schrittweise reduzieren möchten und die Anzahl der Nikotinzigaretten nach und nach durch nikotinfreie ersetzen. Weniger geeignet sind sie für alle, die davon ausgehen, dadurch insgesamt weniger zu rauchen, das Ritual bleibt schliesslich dasselbe. Und wer empfindliche Atemwege hat, sollte sich bewusst sein, dass jeder Rauch reizend wirkt, unabhängig vom Inhalt.
Marken
Real Leaf ist die Marke, die im deutschsprachigen Raum am häufigsten auftaucht, wenn es um nikotinfreien Tabakersatz geht. Die Produkte sind zum Selbstdrehen gedacht und kommen in verschiedenen Kräutermischungen, alle ohne Tabak und ohne Nikotin. Daneben gibt es CBD-Zigaretten mit Hanfblüten, die im Raucherlebnis einer normalen Zigarette sehr nahekommen und in der Schweiz legal sind, solange der THC-Gehalt unter 1,0 % bleibt. Lose Kräutermischungen zum Selbstdrehen runden das Angebot ab. Die Auswahl ist in den letzten Jahren gewachsen, was aber nicht automatisch bedeutet, dass jedes Produkt gut ist. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich trotzdem immer.
Häufige Fragen
Sind nikotinfreie Zigaretten gesund?
Gesund sind sie nicht, das sollte man klar sagen. Rauch belastet die Atemwege unabhängig davon, was verbrannt wird, und kein Rauchen gilt als unbedenklich. Nikotinfreie Zigaretten vermeiden tabakspezifische Schadstoffe, sind aber kein gesundes Produkt, sondern eine Alternative für Menschen, die das Rauchritual behalten wollen, ohne Nikotin zu konsumieren.
Sind nikotinfreie Zigaretten in der Schweiz legal?
Reine Kräuterzigaretten ohne Nikotin und Tabak unterliegen nicht dem Tabakproduktegesetz und sind frei verkäuflich. CBD-Zigaretten mit Hanf sind legal, solange der THC-Gehalt unter 1,0 % bleibt.
Helfen nikotinfreie Zigaretten beim Aufhören?
Sie können den Übergang erleichtern, indem sie das sensorische Ritual erhalten, während man auf Nikotin verzichtet. Als medizinisch anerkanntes Entwöhnungsmittel gelten sie nicht. Wer gezielt aufhören möchte, findet mit einer Kombination aus Verhaltenstherapie und zugelassenen Nikotinersatzpräparaten die besser belegte Unterstützung.
Quellen
1. World Health Organization. (2023). Tobacco Fact Sheet. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/tobacco
2. National Cancer Institute. (2023). Smokeless Tobacco and Cancer. https://www.cancer.gov/about-cancer/causes-prevention/risk/tobacco/smokeless-fact-sheet
3. Lungenliga Schweiz. (2024). Rauchstopp. https://www.lungenliga.ch/de/rauchstopp
4. Bundesgesetz über Tabakprodukte und elektronische Zigaretten (TabPG). SR 818.31. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2021/813/de
5. Benowitz, N. L. (2010). Nicotine Addiction. New England Journal of Medicine, 362(24), 2295–2303. https://doi.org/10.1056/NEJMra0809890