Eine kanadische Studie hat untersucht, ob Extrakte aus Cannabis im Zusammenhang mit dem Coronavirus eine Rolle spielen könnten.
Ein Forschungsteam aus Kanada hat Extrakte aus mindestens 13 Sorten von Cannabis sativa mit hohem CBD-Gehalt im Labor untersucht. Dabei beobachteten die Forschenden, dass einige dieser Extrakte die Menge des Proteins ACE2 in Gewebezellen veränderten. Über dieses Protein dockt das Coronavirus SARS-CoV-2 an die Zellen an. Was das für den Menschen bedeutet, lässt sich aus solchen Laborergebnissen allerdings nicht ableiten.
Dass Inhaltsstoffe von Cannabis im Zusammenhang mit Viren erforscht werden, ist nicht neu. Schon seit dem Ausbruch des SARS-Virus im Jahr 2002 haben sich Forschungsarbeiten mit einzelnen Terpenen beschäftigt, die auch in Cannabis vorkommen, und ihre Eigenschaften im Labor untersucht.
Im Diskussionsforum zur kanadischen Publikation, die damals seit rund einem Monat online zugänglich war, wurden die Resultate heiss diskutiert. Interessant ist ein Kommentar des Studienleiters, Professor Igor Kovalchuk. Auf eine kritische Rückfrage antwortete er sinngemäss, man habe nie behauptet, dass CBD für die Verringerung des ACE2-Proteins verantwortlich sei, denn das wisse man schlicht nicht. Richtig sei aber, dass der Effekt wahrscheinlich nicht allein auf CBD zurückgehe, und künftige Forschung werde mehr Sorten mit einem breiteren Spektrum an Cannabinoiden einbeziehen.*
Damit unterstreicht Professor Kovalchuk zum einen, wie wenig die Forschung noch darüber weiss, wie die Inhaltsstoffe von Cannabis zusammenspielen. Vieles muss erst noch erforscht werden. Zum anderen verweist er indirekt auf den sogenannten Entourage-Effekt. Diese Hypothese besagt, dass ein Gemisch von Pflanzenstoffen eine andere biologische Aktivität haben kann als eine isolierte Reinsubstanz. Demnach wäre nicht CBD allein für die beobachteten Effekte verantwortlich, sondern das Zusammenspiel der pflanzeneigenen Stoffe wie CBD, THC, Terpene und Flavonoide.
Hilft Cannabis also gegen COVID-19? Das lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten. Es handelt sich um Laborergebnisse aus einer Vorabveröffentlichung (Preprint), und Cannabis- oder CBD-Produkte sind kein Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung von COVID-19.
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* Originalkommentar von Igor Kovalchuk, 25. Mai 2020: «Thank you for your comments Amanda, I appreciate you took time to read the paper. Few things to get straight. We have never stated that CBD is being responsible for decreasing ACE2 protein, as we simply don't know it. What you are right about is that the effect is likely not due to CBD alone and yes, future research will include more lines, with broader spectrum of cannabinoids.»
Link zur Studie: «In Search of Preventative Strategies: Novel Anti-Inflammatory High-CBD Cannabis Sativa Extracts Modulate ACE2 Expression in COVID-19 Gateway Tissues»