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Fussball und Zigaretten

In unserem Dokumentarfilm gibt es einen kurzen historischen Abriss der Geschichte der Zigarette im Fussball.

Fussball und Zigaretten. Zwei Dinge, die nach heutigen Vorstellungen überhaupt nicht zusammenpassen. Und doch haben sie eine gemeinsame Geschichte, die ebenso alt ist wie der Fussball selber. England gilt als das Mutterland des Fussballs. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es auf der Insel Tausende von Fussballklubs. Die Menschen strömten in die Stadien, um ihre Lieblinge spielen zu sehen. Doch es gab ein Problem: Die Fans konnten ihre Helden nur aus der Ferne sehen. Kaum jemand wusste, wie die Fussballstars aussahen.

Hilfe kam von unerwarteter Seite. Zigarettenhersteller legten ihren Packungen sogenannte «Cigarette Cards» bei mit Portraits der Ligaspieler. Lange vor den Paninibildchen gab es die Möglichkeit, solche Karten in einem Album zu sammeln. Endlich wusste man, wie die Spieler aussahen. Komisch nämlich. Schliesslich waren Pomadefrisuren und Schnauzer en vogue. Fussball war ein neuer Sport, und einige Karten halfen, die Fussballbegriffe und Regeln zu lernen.

Nicht nur in England waren Zigaretten überall dabei, wo gekickt wurde. Spieler rauchten nach aufwühlenden Kämpfen, selbst im erholsamen Bad. Und wenn die Spieler – wie es damals Tradition war – nach Siegen im Pub ihre Gesangskünste darboten, gehörte für viele die Zigarette zum Pint dazu.

Selbst als der Fussball längst die Welt erobert hatte, blieb die Zigarette treuer Begleiter. In jeder Mannschaft gab es Rauchergrüppchen. Niemand hatte etwas dagegen. Doch immer weniger rauchten in der Öffentlichkeit, aus Angst, nach schlechten Spielen deswegen kritisiert zu werden. Viele Trainer handhabten es so wie der grosse Ernst Happel. Er sagte: «Jeder Spieler darf rauchen. Aber ich will keinen rauchen sehen!»

Auf der Trainerbank wurde fleissig weiter geraucht. Arsène Wenger war da keine Ausnahme. Die Spieler gaben sich oft nur noch im Verborgenen dem Rauchgenuss hin. Nur die rebellischen standen dazu. Oft solche, die durch ihre feine Technik brillierten. Johan Cruyff etwa, der selbst in der Pause rauchte. Oder Sócrates, der wie kein Zweiter das «jogo bonito», das schöne Spiel der Brasilianer prägte.

Aber nicht nur Schönspieler rauchten gerne. Lothar Matthäus, Weltfussballer des Jahres 1991 und bewundert für seine Athletik und Ausdauer, rauchte zehn Zigaretten pro Tag, wie er in seiner Autobiografie verriet.

Auch Oliver Neuville, im Tessin geboren und mit Deutschland im WM-Finale 2002, überzeugte als laufstarker Flügelflitzer. Er erinnerte sich: «Wir spielten in Ulm. Bei denen rauchte nur einer, bei uns Leverkusener acht. Wir gewannen trotzdem 9:1.»

Nicht viele Jahre sind seither vergangen. Doch der Fussball hat sich rasant entwickelt. Das Spiel wurde athletischer, schneller, intensiver, härter. Können Raucher da überhaupt noch mithalten? Offenbar ja. Mario Balotelli, Marco Verratti , Gianluigi Buffon, Mesut Özil, sie alle wurden von Paparazzis beim Rauchen geknipst. Die Ausreden sind bisweilen erheiternd. Mesut Özil etwa erklärte, er habe eine Wette verloren und deshalb eine Zigarette rauchen müssen.

Jogi Löw, Özils Nationaltrainer, konnte sich schlechter herausreden, als er an der EM in der VIP-Loge rauchte. Die Trainer interessiert wohl vor allem eins: ob eine gelegentliche Zigarette die Leistung ihrer Schützlinge beinflusst. Arsène Wenger hat darauf eine klare Antwort. «Nein. Auf dem Platz schöne Pässe zu spielen, darauf kommt es an. Das wollen die Leuten sehen.»

Roger Koch
Von Roger Koch
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