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Ausländische Zigaretten: Warum Winston, Parisienne & Co. ökologisch gesehen nur Schall und Rauch sind

Der Hype um regionale Produkte ist gross. Vom mühselig in Handarbeit gereiften Käse des benachbarten Bauern, über das Urdinkel-Brötchen vom Dorf-Beck des Vertrauens, bis hin zum neusten Trash-Modelabel der lokalen Hipster-Szene – der Kult um heimische Erzeugnisse kommt an. Doch warum nicht auch beim genüsslichen Lungenbrötli in der Znüni-Pause?

Bei Tabakprodukten scheint der Fall nicht so klar zu sein. Die meist konsumierten Zigarettenhersteller in der Schweiz sind Philip Morris (bspw. Marlboro) mit einem Marktanteil von 43,4%, British American Tobacco (bspw. Lucky Strike) mit 38,8% und Japan Tobacco (bspw. Camel) mit 17,8%. Lokalmatadoren, wie wir es sind, machen das Schlusslicht mit weniger als 1%. Mit 2,3% ist sogar der Schwarzmarkt aus Serbien, Luxemburg, Bulgarien und Polen grösser.

«Hergestellt in der Schweiz» – ein irreführender Wegweiser?

Wenn man Zigarettenschachteln dieser Grosskonzerne etwas genauer unter die Lupe nimmt, fällt einem schnell der Vermerk auf, dass die Glimmstängel in der Schweiz hergestellt wurden. Meist in Lausanne, Neuchâtel, im Jura oder Luzern. Doch hergestellt bedeutet nicht zwingend, dass der Tabak aus der Schweiz kommt, wie viele fälschlicherweise denken. Lediglich in 32 von 1000 Zigis befindet sich Tabak aus einheimischem Anbau – und dann nicht mal zu 100%, sondern meist mit braunem Kraut aus Übersee.

Zigaretten von hier: 100% Schweizer Tabak, ohne Zusatzstoffe.
Heimat Hell

Heimat Hell enthält eine leichte, milde Mischung von Schweizer Tabak. Der grosse Anteil an Schweizer Virginiatabak entwickelt am Gaumen eine leicht süssliche Note. Heimat-Zigaretten werden in unserer kleinen Manufaktur in Steinach am Bodensee hergestellt. Naturbelassener Schweizer Tabak, Passion und Geduld - nicht mehr, nicht weniger. Achtung: ein Naturprodukt mit Charakter.

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Vom Aussterben bedroht: Schweizer Tabakbauern 

In der Schweiz pflanzen nur noch 150 Bauernbetriebe das braune Gold an. Tendenz sinkend. In den meisten Fällen sogar nur als Nebenerwerb, da der Markt zu hart umkämpft und ausländischer Knaster schlichtweg günstiger ist. Insgesamt werden in der Schweiz rund 450 Hektare – also rund 630 Fussballfelder – bewirtschaftet. Mehr als die Hälfte der Felder stammen aus der Westschweiz – namentlich Freiburg und Waadt mit je 193 und 144 Hektaren. Pro Hektare rechnet man mit ca. 1000 Stunden Arbeit. Im Vergleich: Weizen benötigt gerade mal 40 Stunden und da wird nur schon auf kantonaler Ebene patriotisch mit dem Gegenüber um das eigene Bier gebuhlt.

Das war aber nicht immer so. Vor rund 70 Jahren – im Zweiten Weltkrieg – machten die Kantone Freiburg und Waadt 80% der Schweizer Tabakproduktion aus. Alleine schon in den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Tabakproduzenten halbiert. Vor allem kleinere Familienbetriebe konnten dem Druck nicht mehr standhalten oder wurden von Grosskonzernen aufgekauft – also nicht nur, weil der der Konsum von bspw. 1995 mit ca. 15 Milliarden verkauften Zigaretten bis heute auf rund 9 Milliarden zurückgegangen ist.

Schweizer Feldtabak vs. ausländischer Industrietabak

Tabak, den wir in unseren Papierhülsen verwenden, kommt zu 100% aus der Schweiz, der grösstenteils in liebevoller Handarbeit angebaut, geerntet und getrocknet wird. Den längsten Transportweg, den der Tabak hierfür auf sich nehmen muss, ist von den Westschweizer Feldern in die Ostschweizer Manufaktur in Steinach und wieder als fertiges Päckli in den schweizweiten Handel zurück. Zigarettenmogule wie British American Tobacco (kurz BAT) importieren über 90% des Tabaks aus dem umliegenden EU-Ländern oder den Kontinenten ausserhalb der grossen Teiche. Dieser Tabak wird meist von gewaltigen Maschinen in Riesenfabriken im grossen Masse industriell völlig autonom verarbeitet und lässt entsprechende Weltreisen hinter sich, bis sich schliesslich der Konsument die fertige Zigarette ansteckt. Obendrauf noch mit chemischen Zusätzen versetzt und einer Verpackung, die einer Atommülltonne gleicht – versenkt inzwischen malerischen Korallenriffen und eine Halbwertszeit hat, die zusammengerechnet Kreide-, Jura- und Trias-Zeit in den Schatten stellt.

«Der Duft der Welt» oder «CO2-Schleuder, die um die Welt reist»?

Treibhauseffekt, Klimawandel und schmelzende Polarkappen: Begriffe, die man fast täglich in den Medien aufschnappt. Bei Nahrung wird in der heutigen Zeit besonders darauf geachtet, dass a) das entsprechende Produkt aus biologischem Anbau kommt und b) – um die Worte des «Grossen Ms» zu verwenden – aus der Region stammt und für die Region bestimmt ist. Viele Veganer und Vegetarier überzeugen im direkten Schlagabtausch mit Karnivoren mit Argumenten wie dem Wasser, das zum Beispiel 1 kg Rindfleisch von A wie Abtransport bis Z wie perfekt marinierter Zigeunerbraten insgesamt verbraucht. Hochgerechnet 20’000 Liter. Enorm. Sojabohnen beispielsweise verbrauchen gerade mal an die 3000 Liter.

Tabakfeld im schweizerischen Zihlschlacht
Schweizer Tabakbauer ernten in liebevoller Handarbeit.
Aussortierung von Virginia-Tabak, wie er in Heimat Hell vorzufinden ist.

Warum aber wird diese Denkweise nicht auch bei Rauchwaren verinnerlicht? Unwissen? Weil Rauchen so oder so der Gesundheit schadet? Die Gründe sind jedem selbst überlassen – der ökologische Fussabdruck mag jetzt zwar noch zum eigenen Schuhprofil passen, wird aber spätestens in den kommenden Jahren nicht mehr wie angegossen sitzen. Und: Der Zigistummel gehört in den Güsel – nicht auf den Boden oder in den Kanalschacht!

Darum besser jetzt schon umsteigen und hiesige Tabakbauern sowie Manufakturen unterstützen, die sich in gallischer Asterix & Obelix-Manier gegen das grosse römische Reich der Grosskonzerne zur Wehr setzen. Sei auch du ein David, denn Goliaths hat es schon genug auf dieser Welt.

(Quellen: Vereinigung des Schweizerischen Tabakwarenhandels, Lungenliga, EDI, Eidg. Zollverwaltung, Wikipedia – via BILANZ Wirtschaftsmagazin, Berner Zeitung)

Berd Schlüchter
Von Berd Schlüchter
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